D 1 – Das Bild von Architekt_innen. Subjekt­konstruktionen und gesellschaftliche Ordnungs­vorstellungen zwischen Aufklärung und Moderne
Gruppenportrait schottischer Architekten, darunter William Fraser (Mann mit Bart im Zentrum des Bildes), ca. 1890, Fotograf unbekannt. CC-BY-SA 4.0.

BEREICH D – Ordnen als Subjektivieren

D 1 – Das Bild von Architekt_innen. Subjekt­konstruktionen und gesellschaftliche Ordnungs­vorstellungen zwischen Aufklärung und Moderne

Sarah Borree, Moritz Röger, Carsten Ruhl

Kunsthistorisches Institut der Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

Kaum eine Profession ist von ähnlich widersprüchlichen Charakterisierungen geprägt wie die der Architektur. Im Laufe der letzten 500 Jahre galten Architekt_innen als Uomo Universale, Aufklärer, Künstler, Historiker, Social Engineer, Experte, Techniker, Wissenschaftler, Demiurg, Visionär, Dandy, Manager, Kurator oder als Kriminalist. Den damit verbundenen Fremd- und Selbstentwürfen ist bisher nur in Ansätzen größere Aufmerksamkeit geschenkt worden. Strategien der habituellen, mimetischen oder performativen Adaption des Architekten in politisch-wissenschaftlichen Diskursen werden in architekturhistorischen Forschungsbeiträgen ebenso wenig berücksichtigt wie die Bedeutung, die das Bild von Architekt_innen für die Legitimierung von Ordnung und die darin eingebetteten Subjektivitätskonzepte hat. Mit seiner Fokussierung auf das Bild von Architekt_innen als Orientierungsgröße gesellschaftlicher Subjektbildungsprozesse, schlägt das Teilprojekt eine neue Perspektive vor. Anstelle einer Professions- oder Sozialgeschichte im klassischen Sinne interessiert es sich primär für Prozesse der Subjektkonstruktion in und durch Architektur. Setzt man voraus, dass die Architektur wie keine andere Disziplin die soziale Imagination zu formen vermag, liegt die Vermutung nahe, dass sie auf unterschiedlichste Weise der Durchsetzung politischer, juristischer, technischer, institutioneller oder wissenschaftlicher Normen und Ordnungen dient. Das Projekt geht der These nach, dass dies nicht allein für die physische Präsenz des Gebauten gilt, sondern auch für die damit identifizierten Bilder von Architekten_innen.

Folgende Fragen stehen im Fokus des Teilprojekts: In welchem Sinne können Bilder von Architekt_innen als Teil einer gesamtgesellschaftlichen Praxis des life building verstanden werden und welchen Anteil haben diese an einer intersubjektiven Verständigung über gesellschaftliche Ordnungsmodelle und deren Durchsetzung? Lässt sich die Praxis des Entwerfens selbst etwa in diesem Sinne als medialer Formungsprozess gesellschaftlicher Subjektbildung verstehen? Welche Bedeutung hat das Bild von Architekten_innen für die Ordnung von Subjektbildungsprozessen in der Moderne und welche Figuren des image control liegen diesen zugrunde?

 

Bereits erschienene Veröffentlichungen zum Projektthema (Auswahl):

Ruhl, Carsten: „Zur gesellschaftlichen Lage der Architektur“, in: WestEnd, Neue Zeitschrift für Sozialforschung, 02 – 2020, S. 25-42.

D 2 – Männlichkeits­diskurse des Archi­tektonischen zwischen Kunst und Technik
El Lissitzky, Der Konstrukteur, Selbstportrait, Silbergelatineabzug, 107×118 mm, 1924, Victoria and Albert Museum London, CC BY-NC-SA.

BEREICH D – Ordnen als Subjektivieren

D 2 – Männlichkeits­diskurse des Archi­tektonischen zwischen Kunst und Technik

Stephanie Knuth, Tanja Paulitz

Fachbereich Gesellschafts- und Geschichtswissenschaften der Technischen Universität Darmstadt

 

Im Zentrum des Teilprojekts „Männlichkeitsdiskurse des Architektonischen zwischen Kunst und Technik“ stehen die Vergeschlechtlichungsweisen des modernen Architekten. Mit Geschlecht als Analysekategorie geht es nicht allein um Exklusionsprozesse von Frauen, sondern um eine vergeschlechtlichte Ordnung der Subjektformierungen. Das Teilprojekt untersucht die kulturellen Geschlechterordnungen im historischen Herausbildungsprozess der modernen Architektur aus einer für die Architektur bislang fehlenden wissenssoziologisch-genealogischen Perspektive. Dabei ist insbesondere die Schnittstelle von Architekt und Ingenieur, Kunst und Technik aufschlussreich, weil sie dem historischen Differenzierungsprozess Rechnung trägt. In dessen Zuge entwickelte sich die Architektur als primär künstlerische Tätigkeit aus der Baukunst heraus und grenzte sich vom technischen Bauingenieurwesen ab. Anhand historischer Kristallisationspunkte wie beispielsweise der Gründung des Deutschen Werkbundes wird erforscht, welche eigenen Ordnungen des Subjekts der Architektur sich im Unterschied zu rationalistisch-technischen Männlichkeitskonzeptionen des Bauingenieurs im Zeitverlauf etablieren, und wie dies in geschlechtlich codierter Weise geschieht. Für die Gegenwart ergeben sich hier Bezüge zur Frage der digitalen bzw. algorithmischen Ordnungspraktiken, in denen das Verhältnis zwischen dem Künstlerischen und dem Technischen weiterhin zur Debatte steht.

 

Bereits erschienene Veröffentlichungen zum Projektthema (Auswahl):

Paulitz, Tanja: Mann und Maschine, Eine genealogische Wissenssoziologie des Ingenieurs und der modernen Technikwissenschaften, 1850-1930. Bielefeld: transcript, 2012.