Welches Theater für welche Stadt? Teil 2
Das von Bernhard Pfau entworfene Düsseldorfer Schauspielhaus, das 1970 eröffnete. Foto: Sebastian Hoppe, CC BY-SA 3.0
18:15
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Podiumsdiskussion

Welches Theater für welche Stadt? Teil 2

Frankfurts Theater steht im Augenblick vor einer Weichenstellung, die es bis weit in das 21. Jahrhundert maßgeblich mitprägen wird: Wie sollen die Gebäude aussehen, in denen zukünftig das städtisch subventionierte Theater stattfinden wird? Wo sollen Oper, Schauspiel, Kinder- und Jugendtheater, wo die experimentellen darstellenden Künste zukünftig geprobt, aufgeführt, gesehen und verhandelt werden? Vier der fünf zukünftigen städtischen Theaterbauten sind derzeit – auf verschiedenen Stufen – in Planung. Vor diesem Hintergrund wollen Architekturgeschichte und Theaterwissenschaft der Goethe-Universität in zwei Veranstaltungen die durch diese Situation aufgeworfenen Fragen öffentlich diskutieren. Dabei sollen Vorträge von Wissenschaftler_innen, Gesprächsbeiträge von Künstler_innen sowie kurze Video-Statements von Politiker_innen dazu beitragen, die dringend gebotene Diskussion über das Frankfurter Theater der Zukunft auf eine breitere Grundlage zu stellen.

Zu „Theaterbauten, Kultur für alle“ diskutiert Carsten Ruhl (Sprecher des LOEWE Schwerpunkts „Architekturen des Ordnens“; Architekturhistoriker, Goethe-Universität Frankfurt) am 17. Februar 2021 mit der Theaterwissenschaftlerin Ulrike Haß (Bochum/Berlin) und dem Architekturhistoriker Frank Schmitz (Universität Hamburg).

Im Rahmen der ersten Veranstaltung „Theater 2040 – Konzeptionen und ihre Architekturen“ am 16. Dezember 2020 sprach Nikolaus Müller-Schöll (Theaterwissenschaftler, Goethe-Universität Frankfurt) mit der Leiterin des Kulturzentrums Kampnagel, Amelie Deuflhard sowie der Dramaturgin Rebecca Ajnwojner (Maxim Gorki Theater Berlin). Ein Mitschnitt der Veranstaltung ist online verfügbar unter: http://zukunft-buehnen-frankfurt.de

 

Der Hintergrund

Seit im Jahr 2017 ein Gutachten eröffnete, dass die Stadt Frankfurt für die Sanierung oder Erneuerung der „Doppelanlage“ für Oper und Schauspiel am Willy Brandt-Platz in jedem Fall eine knappe Milliarde wird investieren müssen, beschäftigt das Thema Neubau oder Sanierung Theaterleute und -wissenschaftler_innen, Architekt_innen und Architekturtheoretiker_innen, Denkmalschützer_innen, Stadtplaner_innen und darüber hinaus die Stadtöffentlichkeit. Nachdem anfangs die Zeichen auf Sanierung des derzeitigen, in mehreren Bauphasen entstandenen Gebäudes standen, schien Ende Januar 2020 festzustehen, dass neu gebaut werden soll: Bei geringeren Kosten, so die Argumentation der städtischen Kulturpolitiker, können neue Gebäude für das Theater des 21. Jahrhunderts gebaut werden, die zudem neue städtebauliche Lösungen erlauben.

Doch gegen diese Argumentation wurde Kritik laut, die von den Initiatoren dieser zwei Veranstaltungen zum Teil geteilt wird: Sollte vor der Entscheidung über neue Bauten, ja selbst vor dem Ende der Debatte über Sanierung oder Neubau nicht genauer definiert werden, was die Stadt in Zukunft für ein Theater will – für wen, in welcher Form, mit welchen Akteuren, in welcher Art von Architektur? Darf die Stadt ein Gebäude, in dessen Räumen sich knapp 120 Jahre Geschichte überlagern, einfach abreißen? Wurden Belange des Denkmalschutzes, die speziell das zu Beginn der 60er-Jahre erbaute „Wolkenfoyer“ betreffen, angemessen berücksichtigt? Hat die Stadt nicht allen Grund, die Nachkriegsarchitektur der ‚zweiten Moderne‘, zu der das Haus zu zählen ist, stärker zu würdigen? Und wurde die mit Blick auf die Bauten notwendige grundlegende Diskussion über das subventionierte Staatstheater der Zukunft überhaupt schon geführt?