A1 – Verwalten, Bauen, Archivieren. Corporate Architecture an der römischen Kurie der Frühen Neuzeit
Giovanni Battista Piranesi, Vedute di Roma: Piazza di S. Pietro (ca. 1748), Kupferstich, Gemeinfrei.

BEREICH A – Ordnen als Steuern

A1 – Verwalten, Bauen, Archivieren. Corporate Architecture an der römischen Kurie der Frühen Neuzeit

Cecilia Cristellon, Birgit Emich, Sebastian Glunz

Historisches Seminar der Goethe-Universität Frankfurt am Main

 

Das Teilprojekt untersucht am Beispiel der römischen Kurie der Frühen Neuzeit den Zusammenhang zwischen der architektonischen Rahmung staatlicher Herrschaft und ihrer behördlichen Ordnungstätigkeit. Dabei geht das vorliegende Forschungsvorhaben von der Grundannahme aus, dass die architektonische Konfiguration von Verwaltungs- und Gesellschaftsräumen (d. h. städtischen, öffentlichen Räumen, in denen sich das gesellschaftliche Leben entfaltet) und die sich in ihnen herausbildenden Ordnungstätigkeiten und -strukturen in einer sich stets gegenseitig beeinflussenden Beziehung stehen. Zeitlich konzentriert sich das Vorhaben mit der Frühen Neuzeit auf eine zentrale Schubphase in der Geschichte der Staatsgewalt, in der deutliche Verdichtungsprozesse staatlicher Herrschaft beobachtet werden können. Diese finden ihren Ausdruck insbesondere im Ausbau von Behörden und ihren Archiven. So gilt im übertragenen Sinne: Die Entwicklung der Staatsgewalt lässt sich von der Vormoderne bis heute immer auch als eine Entfaltung der Behörden- und Archivlandschaft beschreiben. Einen Ausbau erlebten Behörden und Archive jedoch ebenso im Wortsinn: Sowohl die Institutionen als auch ihre Archive benötigten Räumlichkeiten. Dass deren bauliche Gestaltung funktionale Erwägungen mit repräsentativen Bedürfnissen verbindet, ist bekannt. Welche Konsequenzen architektonische Rahmungen auf Tätigkeit und das Selbstverständnis der Behörden und Archive haben konnten und wie sich das Wechselverhältnis zwischen den Ordnungen der Architektur und der Ordnungstätigkeit der Behörden und Archive beschreiben lässt, wurde hingegen bislang kaum thematisiert. Diese dialektischen Steuerungsleistungen architektonischen und bürokratischen Ordnens stehen im Zentrum des Teilprojekts. Um dem Wechselverhältnis von Verwalten, Bauen und Archivieren sowie etwaigen Ausdifferenzierungsprozessen auf den Grund zu gehen, werden im vorliegenden Teilprojekt nicht nur ausgewählte Behörden und ihre Archive aus den unterschiedlichen Aufgabenfeldern der geistlich-weltlichen Doppelherrschaft der römischen Kurie analysiert, sondern es wird unter anderem auch anhand einer Untersuchung des Patriarchats von Venedig und seinem Kampf um die eigene Autonomie gegenüber dem Heiligen Stuhl und der Serenissima nach dem Verhältnis zwischen unterschiedlichen Zentren und Peripherien gefragt.

Für den Sommer 2021 ist im Rahmen dieses Projekts ein internationaler Workshop geplant, der sich dem Verhältnis von Herrschaft, Verwaltung, Archivierung und deren räumlicher Ordnung in den Imperien der Frühen Neuzeit widmen wird.

A 2 – Konzern­architektur. Bauliche und rechtliche Ordnungs­regime der korporativen Moderne
Gotthard Müller, Struktur, 1962, Reißnägel, Öl auf Leinwand, Privatsammlung, Bad Homburg.

BEREICH A – Ordnen als Steuern

A 2 – Konzern­architektur. Bauliche und rechtliche Ordnungs­regime der korporativen Moderne

Pietro Cesari, Daniel Damler

Max-Planck-Institut für Europäische Rechtsgeschichte Frankfurt am Main

 

Der Aufstieg der Kapitalgesellschaft zum weltweit wichtigsten privatwirtschaftlichen Akteur markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte der Neuzeit. Der Wandel, der sich seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert vollzog, erscheint heute unumkehrbar, so essentiell sind Kapitalgesellschaften für moderne Volkswirtschaften. Es war nicht zuletzt die Konzernbildung, d. h. der Erwerb von Anteilen und die sich daran anschließende Steuerung einer Gesellschaft durch eine andere, die rechtlich wie ökonomisch völlig neue Perspektiven eröffnete. Die architektonischen Implikationen dieser institutionellen Revolution sind bislang nur unzureichend untersucht.

Das erste Forschungsprojekt von Pietro Cesari nimmt das System unternehmerischer Kontrolle und Koordination und die darauf bezogenen Modelle in den Blick. Sie finden ihre räumliche Entsprechung und Konkretisierung in den Gebäuden der Unternehmenszentrale und der ihnen zugeordneten Tochtergesellschaften sowie in den Ausbildungs-, Forschungs- und Entwicklungszentren. Im Mittelpunkt stehen drei Fallstudien zu großen Kapitalgesellschaften aus den USA, Italien und Deutschland.

Das zweite Forschungsvorhaben befasst sich mit den Architekturen fiktiver Unternehmen, wie sie in Filmen, Comics, Computerspielen und anderen Formen visueller Erzählungen in Erscheinung treten.