C 2 – Umkämpftes städtisches Ordnen. Zeitgenössische Rekonstruktions­prozesse
Barocke Inszenierung auf dem Dresdner Neumarkt, Foto: Leonie Plänkers.

BEREICH C – Ordnen als Entwerfen

C 2 – Umkämpftes städtisches Ordnen. Zeitgenössische Rekonstruktions­prozesse

Nina Gribat, Leonie Plänkers

Fachgebiet Stadtplanung der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus – Senftenberg, Fachbereich Architektur der Technischen Universität Darmstadt

 

Thema des Teilprojekts ist die Analyse von städtebaulichen Ordnungsansätzen in zeitgenössischen Rekonstruktionsprozessen. Seit den frühen 1980er Jahren wurde im Rahmen der Internationalen Bauausstellung in Berlin mit dem Begriff der „kritischen Rekonstruktion“ im Städtebau eine lebhafte Debatte über das Verhältnis zu historischen Formen und Stadtgrundrissen geführt (Burg 1994, Hoffmann-Axthelm 1994, Klein/Sigel 2006). Aber auch frühere Diskurse seit Ende der 1960er Jahre (Berndt et al. 1969, Helms/Janssen 1971) und jüngere Debatten in den 2010er Jahren (Hassler/Nerdinger 2010, BMVBS 2010, von Buttlar et al. 2010) nehmen diese Fragestellung, die letztlich das Verhältnis von Architektur und Gesellschaft betrifft, in den Blick. Anders als Entwürfe, die eine neue städtebauliche Konfiguration entwickeln, beziehen sich Rekonstruktionen historisierend auf frühere städtebauliche Ordnungs-vorstellungen. Gebäudeensembles oder Stadtviertel werden in Anlehnung an historische Stadtgrundrisse, die entweder im Zuge einer früheren städtebaulichen Neuordnung abgerissen oder im Krieg zerstört wurden – oft mit wesentlichen Veränderungen – wiederaufgebaut.

Im Zentrum des Dissertationsprojekts von Leonie Plänkers steht die Erforschung der Wirkungen auf Stadt und Stadtgesellschaft, die die städtebaulichen Rekonstruktions-projekte der sogenannten „postmodernen Rekonstruktionswelle“ in ihrer Nutzungsphase entfalten. Den erhitzten Debatten vor der Realisierung, in denen facettenreiche Erwartungen an die Wirkung der Rekonstruktionsprojekte deutlich wurden, setzt das Vorhaben eine empirische Bestandsaufnahme entgegen. Es fragt, welche der Annahmen sich heute bestätigen lassen und welche neuen Alltagspraktiken, Ordnungen und Narrative die Rekonstruktions-projekte hervorbringen. Mit der Entwicklung eines angepassten methodischen Zugangs soll ein interdisziplinärer methodischer Fortschritt zur Erforschung dieser Wirkungen erzielt werden. Das Dissertationsprojekt möchte dabei nicht nur zur Qualifizierung der Debatten um rekonstruktive und historistische Planungen beitragen, sondern auch Erkenntnisse über die Wirkungsweisen von Architektur im Stadtraum allgemein erzielen.